„Wenn Religionen und Weltbilder aufeinander treffen“: Gandhi an EDA-Konferenz in Bern

„Es vergeht kein Tag, ohne dass in der Öffentlichkeit etwas geschieht, das uns an die Präsenz des Religiösen erinnert.“ Mit diesen Worten eröffnete Peter Mauer, Staatssekretär im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am 14. Oktober die Jahreskonferenz der Politischen Abteilung IV Menschliche Sicherheit in Bern. Rajmohan Gandhi, Präsident von Initiativen der Veränderung International, war einer der Gäste, die zum Thema der Konferenz „Wenn Religionen und Weltbilder aufeinander treffen“ sprachen.

Podium: Peter Maurer, Rajmohan Gandhi und Amira Rasul BernardoPodium: Peter Maurer, Rajmohan Gandhi und Amira Rasul Bernardo

Die Konferenz drehte sich um die Rolle von Religionen bei der Friedensförderung und Konfliktlösung, wobei es nicht darum ging, eine theologische Debatte zu führen, sondern um Religionen als „Wertesysteme, die für grosse Menschengruppen Referenz sind, die wie Brillen funktionieren, durch welche die Realität, in der wir leben, einen Sinn bekommt.“

Amina Rasul Bernardo, muslimische Führungsfigur aus den Philippinen, David Glass, Mitglied der orthodoxen israelischen Shas-Partei, Bob Roberts, evangelikaler Pastor aus den USA, und Peter Maurer waren gemeinsam mit Rajmohan Gandhi die Redner des Podiums zum Thema „Frieden: neue Wege entdecken. Die Notwendigkeit, alle Akteure zu integrieren“. Trotz ihren unterschiedlichen bzw. gegensätzlichen Hintergründen waren sich die fünf Podiumsteilnehmer einig, dass ein Dialog zwischen den Konfliktparteien in jedem Friedensprozess unumgänglich sei.

Frage von Botschafter Suhail Khalil Shuaiber während des PodiumsFrage von Botschafter Suhail Khalil Shuaiber während des Podiums

David Glass zitierte den spirituellen Führer seiner Partei, Rabbi Ovadia Yoseph: „Für den Frieden könnten wir jede Parzelle des israelischen Territoriums zurückgeben. Der Boden ist für die Juden zwar heilig, aber der Frieden ist wichtiger.“ Rasul Bernardo erinnerte auch daran, dass gerade auf lokaler Ebene die spirituellen Leader oft die Personen seien, denen die Bevölkerung am meisten vertraue und dass es daher unabdingbar sei, diese in Dialogen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen einzubeziehen. Gandhi stimmte ihr zu: „Es braucht das Vertrauen der Bevölkerung, denn es ist die Bevölkerung, die leidet.“

Bob Roberts und David GlassBob Roberts und David GlassIm Workshop zur internationalen Zusammenarbeit wurde die Notwendigkeit betont, bei der Analyse des Kontextes und der Suche nach den Wurzeln eines Konflikts die Glaubenssysteme einzubeziehen. Religiöse Organisationen könnten in konkreten Projekten gemeinsam Brücken zwischen den Kulturen bauen, wenn sie sich auf die gemeinsamen Werte konzentrierten und ohne versteckte Motive handelten.

Indem das Thema der Konferenz aus verschiedenen Blickwinkeln angegangen wurde, gelang es, verschiedene Herausforderungen der Friedensförderung in den Vordergrund zu rücken, unter anderem: Den Dialog zwischen den und innerhalb der Religionen und Kulturen fördern, das Zusammenleben auf gemeinsamen Werten aufbauen, Medienschaffende auf religiöse Themen sensibilisieren, die Individuen stärken. Ohne dabei zu vergessen, was Staatssekretär Maurer zum Schluss betonte: „Um Vertrauen zu schaffen und ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen, ist es unabdingbar, dass den Worten Taten in Form von konkreten gemeinsamen Projekten folgen“.

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>> Interview mit Rajmohan Gandhi in der Berner Zeitung